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Was ist ein Blog - Weblog? Artikel über Blogs und das Bloggen.

Was ist ein Blog?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Am besten fangen wir mal mit dem Wort selbst an.

Das Wort "Blog" ist eine Abkürzung für "Weblog". Weblog wiederum besteht aus den Worten "Web" und "Log". Ein Log ist ein Begriff, der ursprünglich in der Seefahrt verwendet wurde und bezeichnet eine chronologische Aufzeichnung einer Schiffsreise, also die Koordinaten, Wetterverhältnisse, besondere Vorkommnisse und vieles mehr. Geschrieben wurden diese Einträge in das Logbuch. Das "Web" ist die Kurzform des World Wide Web (WWW), also dem Teil des Internets, der über den Webbrowser bereist wird. Das Weblog ist also eine chronologische Auflistung von Beiträgen im WWW.

WeblogsSo weit, so gut. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Blogs gab es eigentlich schon, lange bevor das Wort dafür geschaffen wurde. Seit es das WWW gibt, haben Nutzer den Drang gehabt, persönliche oder themenbezogene Informationen zu veröffentlichen, sei es ein Online-Tagebuch, Hinweise zu neuer Software oder interessanten Webseiten oder einfach nur zum "Senfabsondern".
Geläufig wurde der Name Blog aber erst, als es spezielle Software zum Bloggen gab. So war es auch für den im Webdesign unerfahrenen Nutzer möglich, einfach und schnell Beiträge zu veröffentlichen, ohne sich mit dem lästigen und tückischen HTML herumzuschlagen. Das Plätschern der Weblogs wurde zu einer Welle.

Solche Blogsysteme arbeiten meist nach dem gleichen Prinzip. In einer Datenbank werden die Beiträge über eine Administrationsoberfläche im Browser verwaltet, also neu eingetragen, geändert oder gelöscht. Oft wird in dieser Datenbank auch noch die Kategorien der Beiträge, Linklisten und Benutzer mitverwaltet.
Die Beiträge werden von der Blogsoftware dem Blogleser präsentiert, immer so sortiert, dass der neueste Artikel oben auf der Seite steht. Das Blogsystem zeigt oft auch noch ein Archiv der älteren Artikel an, die Kategorien, in die die Artikel angelegt wurden und auch noch Links zu befreundeten oder empfohlenen Blogs und Webseiten.
Der Blogbesitzer kann die optische Erscheinung des Weblogs meist selbst anpassen, sei es mittels vorgefertigte oder selbsterstellte Vorlagen, wobei für ein völlig individuelles Design wieder Kenntnisse in HTML, CSS und unter Umständen in der Programmiersprache PHP erforderlich sind.

Wer glücklicher Besitzer eines Speicherplatzes auf einem Webserver (Webspace) mit MySQL (die Datenbank) und PHP (Programmiersprache) ist, kann sich so eine Blogsoftware installieren bzw. von einem, der sich damit auskennt, installieren lassen.
Es gibt aber auch die Möglichkeit einen der mittlerweile unzähligen Bloganbietern zu wählen. Dort ist ein Blogsystem schon installiert, der Blogneuling muss sich dort nur anmelden und kann gleich loslegen. Der Vorteil eines solchen Bloganbieters ist, dass man sich nicht mit der Blogsoftware und ihren technischen Problemen herumschlagen muss. Auch ist man oft gleich in die Bloggemeinschaft dieses Anbieters integriert, man kommt also schneller an eine Leserschaft. Der Nachteil ist, das man dem Blogsystem des Anbieters ausgeliefert ist. Kann man bei selbstinstallierten Blogsystemen die Funktionen des Weblogs (prinzipiell) beliebig erweitern und verändern, so muss man das System eines Anbieters nehmen wie es ist. Auch sind die optischen Anpassungen unter Umständen eher eingeschränkt.
Seit es diese Menge an Bloganbietern gibt, ist es auch für Normalsterbliche möglich, schnell und einfach ein Blog zu starten. Die Welle wurde zu einem Tsunami.

Aber letztendlich ist nicht die optische und technische Seite eines Blogs für den "Erfolg" ausschlaggebend, sondern der Inhalt. Und da sind die Möglichkeiten mannigfaltig. Ob ich ein persönliches Online-Tagebuch führe, über die neuesten Nachrichten beim Eisstockschießen informiere, die Onlinewelt mit meinen täglichen philosophischen Erkenntnissen beglücken will oder über das Leben in und um meiner Stadt schreibe - für jedes Thema kann es Leser geben. Allerding unterschiedlich viele. Ein Tagebuch ist möglicherweise nur für die eigenen Freunde interessant. Eisstockschießen hat auch nur ein begrenztes Publikum. Meine Philosophie kann für viele auch nur Unsinn sein. Und für Ortsfremde kann ein Stadtblog die pure Langeweile sein. Auch muss ein Weblog erst einmal bekannt werden und seine Leserschaft finden. Wenn es gut und interessant geschrieben ist, dann kann es sich in der "Zielgruppe" herumsprechen. Das kann aber dauern. Eine gute Rechtschreibung und ein guter Schreibstil kann von Vorteil sein. Wer unverständlich schreibt oder den Leser durch schlechte Rechtschreibung und Grammatik quält, darf sich über wenige Besucher nicht wundern.

Wie wird das Blog überhaupt gefunden? Der naheliegendste Weg geht über Suchmaschinen wie Yahoo, MSN oder Google. Blogs sind rein technisch einfach Webseiten wie alle anderen auch, sie werden von den Suchmaschinen durchsucht und können über sie gefunden werden.
Aber es gibt auch blogspezifische Mechanismen. Wenn ich in einem Blogeintrag einen Verweis auf ein anderes Blog setze, wird oft (leider nicht immer) ein sogenannter Trackback ausgelöst. Das Weblog, auf das ich verlinke, wird benachrichtigt und der Trackback - also ein Hinweis, das dieser Beitrag in meinem Blog verlinkt wurde, erscheint dort. So bildet sich ein Netzwerk aus Links und Zitaten, die einem selbst auch wieder neue Besucher bringen kann.
Blog können auch andere Webseiten über neue Einträge informieren. Solche speziellen Bloglisten werden von der eigene Blogsoftware "angepingt", also kurz benachrichtigt, dass ein neuer Beitrag erschienen ist. Manche dieser Bloglisten werten auch sogenannte "Tags" aus, das sind Schlagworte, die man einem Blogbeitrag zuordnet. Auch nach diesen Tags werden Blogs gefunden.

Eine weitere geläufige Funktion eines Weblogs sind die Kommentare. Der Leser eines Beitrags hat die Möglichkeit dazu einen kurzen Text zu schreiben. So ergibt sich die Chance, mit dem Leser selbst in Kontakt zu treten, Diskussionen zu führen oder einfach nur nett über ein Thema "zu plaudern".

Was darf ich denn in mein Blog schreiben? Letzendlich alles was legal ist. Man sollte nicht vergessen, dass ein Blog öffentlich ist. Wer also Beleidigungen schreibt oder gegen ein Copyright verstößt, den darf eine Abmahnung oder Klage nicht überraschen. Das Weblog unterliegt zwar der Meinungs- und irgendwie auch der Pressefreiheit, aber selbst denen sind rechtliche Grenzen gesetzt. Und man sollte nicht der Meinung sein, dass es eh keiner liest - dafür gibt es zu viele Möglichkeiten, gefunden zu werden.

Ob die Blogs nur eine Modeerscheinung sind, das werden die nächsten Jahre zeigen. Sie sind aber sicher eine Möglichkeit für den Otto-Normal-Nutzer, Inhalte regelmäßig im Web zu veröffentlichen. Oft wird ein Blog nur kurz eröffnet und ist nach ein paar Wochen oder Monaten schon wieder tot, weil der Autor keine Lust mehr hat oder einfach nichts mehr zu schreiben weiß. In anderen Fällen kann so ein Weblog eine richtige Institution werden. Blogs wie der Spreeblick, der Werbeblogger, das Lawblog oder das Bildblog (obwohl es da Streit gibt, ob es als Blog zählt) sind feste Bestandteile der literarischen bzw. informativen Onlinewelt geworden. Auch beäugen Zeitungen und Zeitschriften die Blogs ein wenig ängstlich, da sie teilweise schneller und besser Themen aufgreifen können. In Amerika sind Weblogs in manchen Bereichen schon zu Wächtern der Wahrheit (oder was sie als Wahrheit bezeichnen) geworden. Solche "Watchblogs" hinterfragen kritisch Politikeraussagen oder Zeitungsartikel und zeigen so Zusammenhänge auf, die die traditionellen Medien nicht zeigen können, dürfen oder wollen. Diese "Aufgabe" der Blogs ist in Deutschland noch nicht sehr weit fortgeschritten, es bleibt abzuwarten, wie sich die deutsche Bloggerszene entwickelt.

Ralf Thees, Würzblog


Links

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